Erfahrungsbericht: Zwei Wochen zu Besuch im Waisenhaus Cador in Togo

Ein kleiner Flughafen mit einer einzigen Landebahn, stickige Luft, tropische Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit: Beim Verlassen des Flugzeugs ahnte noch keiner von uns, welche schönen Erfahrungen wir auf dieser Reise machen würden: Es folgt ein kurzer Erfahrungsbericht über einen zweiwöchigen Aufenthalt in Lomé, währenddessen wir die Chance hatten, das Land Togo und das Waisenhaus Cador, dessen Leiterin und Bewohner näher kennenzulernen.

Zusammen mit Kindern, Mitarbeitern und Verantwortlichen vor dem Waisenhaus Cador

Unsere kleine Reisegruppe bestand aus vier österreichischen Jugendlichen. Es war unsere erste Reise nach Westafrika. Nach der Landung fuhren wir über holprige Straßen zu unserer Unterkunft. Wir lebten zusammen mit Lea Engel in Lomé im Privathaus der Leiterin des Waisenhauses Cador, eine Frau, die zwar selbst finanzielle Engpässe hat, sich aber dennoch mit Herzblut um die Waisenkinder kümmert. Sie sorgte sich von der ersten Minuten an perfekt um unser Wohl und behandelte uns wie ihre eigenen Kinder.

Unsere Reisegruppe zusammen mit Lea Engel und Dorcas Kpodoh, der Leiterin des Waisenhauses Cador, vor dem Waisenhaus.

Nach einem Tag zur Eingewöhnung besuchten wir zum ersten Mal das nahegelegene Waisenhaus. Ein von außen unscheinbares, kleines, einstöckiges Gebäude. Kurz angeklopft, öffneten sofort zwei Kinder die Tür und ließen uns in den Innenhof. Dort spielten einige andere, hielten aber bei unserer Ankunft sofort inne und betrachteten uns etwas schüchtern. Kurz danach versammelten sich dann aber alle Waisenkinder im Hof und aus der anfänglichen Zurückhaltung wurde pure Freude über unseren Besuch. Zur Begrüßung wurde jeder von uns lachend umarmt und nach dem Namen gefragt. Obwohl wir kein französisch sprachen spielten die Kinder mit uns, sprachen uns an und lachten. Andere tanzten zu afrikanischer Musik aus dem Radio. Schon am ersten Tag spürte man: Obwohl die Kinder kaum über Hab und Gut verfügen, besitzen sie eines ganz besonders: Lebensfreude!

Immer fröhlich und voller Lebensfreude: Miriam und Victoire mit Lukas

In den folgenden Tagen besuchten wir das Waisenhaus häufiger und lernten die dortigen Strukturen und natürlich vor allem auch die Kinder besser kennen. Am zweiten Tag übergaben wir dann am Abend unsere mitgebrachten Geschenke an die Waisenkinder: Drei Koffer voller Schuhe, Kleidungsstücke, Handtücher, Kosmetikartikel und Spielzeug. Mit leuchtenden Augen und großer Dankbarkeit nahmen die Kinder die Geschenke an. Sie probierten alles gleich an und man sah ihnen die große Freude an. Kurz danach führten sie uns eine Tanzvorstellung vor und beeindruckten uns mit ihrem außergewöhnlichen Talent sehr. Als Europäer war es neu für uns, dass Tanzen schon in ihrem jungen Alter so eine Lieblingsbeschäftigung sein kann!

Verteilung von mitgebrachten Geschenken

Grundsätzlich sind die Kinder im Waisenhaus Cador enorm aufgeschlossen und fröhlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Die Kinder helfen einander, wenn es Probleme gibt, arbeiten zusammen, wenn es der Haushalt verlangt und leben zusammen unter einem Dach – wie eine große Familie! In den folgenden Tagen verbrachten wir neben einigen kulturellen Ausflügen auch viel Zeit mit den Kindern, spielten Fußball und besuchten den Gottesdienst.

Keine Berührungsängste: Waisenkind Esther mit Judith

Zum Ende unseres Aufenthalts nutzten wir die Gelegenheit, um uns das Bauprojekt näher anzuschauen. Wir fuhren zur Baustelle des neuen Waisenhauses. Etwas weiter von Lomé entfernt, bietet der Baugrund dort viel mehr Platz als die aktuelle Unterkunft, welcher auch dringend benötigt wird. Der Neubau ist umgeben von einem großen Hof, auf dem viel Platz für die Waisenkinder zum Spielen sein wird. Dies ist im derzeitigen Waisenhaus nicht der Fall, alles ist sehr beengt. Doch nicht nur der fehlende Platz ist ein Problem: Auch die sanitären Einrichtungen sind nicht auf dem neuesten Stand und – am schlimmsten – die Mietrückstände sammeln sich Monat um Monat weiter an. Gute Gründe für den Neubau! Und der kann sich inzwischen schon wirklich sehen lassen: Die Fundamente sind fertig, die Wände stehen und der Brunnen ist gegraben. Trotzdem fehlt noch einiges an Arbeit, bis das neue Zuhause der Kinder bezugsfertig ist. Alles in allem ist jedoch vieles im Gange und die Fertigstellung des Gebäudes rückt näher, was ein enorm wichtiger Schritt in der Verbesserung der Lebenssituation der Kinder ist.

Gemeinsame Besichtigung der Baustelle

Schlussendlich kann man als Außenstehender nurmehr sagen, dass das Projekt absolut einzigartig und unterstützenswert ist. Die Kinder haben uns Tag für Tag immer wieder von Neuem beeindruckt, sei es durch ihren Mut, Fremden gegenüber so offenherzig zu sein, ihre Einzigartigkeit oder der ungebrochenen Freude am Leben- egal wie ihre Vergangenheit ausgesehen haben mag. Schon mit kleinen Spenden kann viel erreicht werden, um in Zukunft das Leben der Kinder noch weiter zu verbessern. Wir waren begeistert!

Maximilian, Philipp, Judith und Lukas Spreitzer

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