Neubau des Waisenhauses Cador in Gefahr – Weiterbau vorerst nicht möglich

Nachdem es in den letzten Wochen viel Positives aus Lomé zu berichten gab, haben wir jetzt wieder einen herben Rückschlag erlitten: Es gibt große Probleme mit der Eigentumssituation des Baugrundstückes des neuen Waisenhauses. Die bisherige Eigentümerin, eigentlich eine gute Bekannte der Leiterin des Waisenhauses, weigert sich plötzlich, die vereinbarte Ratenzahlung für den Kauf des Grundstückes weiterhin zu akzeptieren. Sie fordert nun den Rest des Kaufbetrags (2/3 des ursprünglichen Kaufbetrags, etwa 3.050 €) in einer Rate und verbietet bis zum Erhalt dieser Summe jegliche Bauarbeiten auf dem Gelände. Sie droht sogar, den bisherigen Baufortschritt komplett zu zerstören, sollte der Bau weitergeführt werden.

So viel ist schon geschafft – das gilt es zu schützen

Zwischen Aufopferung und Missgunst

Ohne Frage ist diese Drohung sehr ernst zu nehmen. Wenn wir uns nicht an die Anweisungen der Grundstückseigentümerin halten, wird sie mit absoluter Sicherheit Taten folgen lassen. Man fragt sich, warum sie gerade jetzt eine solche Drohung ausspricht. So hatte sie doch letztes Jahr noch den Grundstückspreis für das Waisenhaus stark verringert und einer Ratenzahlung ohne Probleme zugestimmt. Das Ganze ist vermutlich vor allem ein Mentalitätsproblem: In Togo herrscht trotz vieler Bildungsinitiativen bei dem größten Teil der Bevölkerung noch immer der Irrglaube, jeder Weiße habe viel Geld und sei reich. Das gestaltet den Alltag eines Weißen in Togo – neben all den Freuden –  überaus schwierig. Lea Engel berichtet: „Wenn ich zum Markt gehe und dort was kaufen möchte, werden mir die Händler einen 3 bis 4 Mal so hohen Preis nennen, wie sie es bei einem Einheimischen tun würden. Das ist in allen Situationen des Alltags so. Die meisten denken: „Die Weißen haben ja Geld, da können sie uns auch ein bisschen was abgeben.“ Viele sprechen das sogar offen aus.“ Daraus ergibt sich auch eine große Schwierigkeit für Einheimische, die in engem Kontakt zu Weißen stehen oder gar mit ihnen zusammenarbeiten. Vor allem Nachbarn beginnen dann, Gerüchte zu verbreiten, die Einheimischen würden große Geldsummen von den Weißen erhalten und alles nur für sich selbst ausgeben. Ebenso groß wie der Gemeinschaftssinn ist in der togolesischen Gesellschaft leider häufig auch die Missgunst. So entstehen Gerüchte und einen schlechten Ruf wird man nur sehr schwer wieder los. Es ist nachvollziehbar, dass die Grundstückseigentümerin sich übergangen fühlt, wenn sie Gerüchte hört, die Leiterin des Waisenhauses würde sich persönlich bereichern, anstatt ihre Schulden bei ihr abzubezahlen. Wie realitätsfern diese Annahmen jedoch sind, ist für Lea Engel kaum zu beschreiben: „Ich habe noch nie so einen selbstlosen Menschen getroffen wie Frau Kpodoh. Sie stellt ihre eigenen Bedürfnisse hinten an, um sich um Waisenkinder zu kümmern und erntet dafür sehr oft nur böse Worte und Missgunst von ihren Landsleuten. Für mich ist sie ein absolut bewundernswerter Mensch.“

Vertrauensvolles Verhältnis – Lea und Dorcas Kpodoh

Ungerechte Rechtslage

Die Frage „Darf die Grundstücksbesitzerin das denn überhaupt?“ drängt sich natürlich auf. Leider ist die Antwort darauf ein klares Ja. Mit der vereinbarten Ratenzahlung hat sie uns einen großen Gefallen getan. Sie wäre bei weitem nicht dazu verpflichtet gewesen. Das große Problem ist nun also die schwierige Rechtslage, in der wir uns befinden:  Außer einem Kaufvertrag, auf dem die Summe von 3.000.000 CFA-Franc BEAC (ca. 4575 €) festgehalten ist, haben wir vorerst nichts Offizielles in der Hand. Die offizielle Überschreibung des Grundstücks auf den Namen der Leiterin des Waisenhauses Dorcas Kpodoh geschieht erst nach Bezahlung des gesamten Betrags. Bisher hatten wir zusätzlich die mündliche Einwilligung der Grundstückseigentümerin, das Gelände parallel zur Abbezahlung der Kaufraten bebauen zu dürfen. Dies ist in dem armen Land Togo absolut gängige Praxis. Doch diese Einwilligung wurde nun unumstößlich widerrufen. Unabhängig von dem Mangel an offiziellen Dokumenten herrschen in Togo natürlich auch nicht solche Umstände, wie wir es in einem Rechtsstaat wie Deutschland gewohnt sind. Eigentumsstreitigkeiten sind im Endeffekt wie so vieles in Togo häufig Geldsache: Wer mehr bezahlt bzw. bessere Beziehungen hat, bekommt Recht und gewinnt. Einen solchen Streit können und wollen wir nicht riskieren – dazu steht zu viel auf dem Spiel.

Miriam und die anderen Waisenkinder brauchen ein neues Zuhause

Wie es weitergeht

Wir müssen die Entscheidung der Grundstückseigentümerin also leider akzeptieren. Es bleibt uns keine andere Wahl. Bisher ist nur ein Drittel des Kaufpreises bezahlt, etwa 1525 €. Es bleibt eine Summe von 3.050 € (2.000.000 CFA-Franc BEAC) noch zu zahlen. Das Ganze setzt uns stark unter Druck. Denn wir müssen so schnell wie möglich genügend Geld zusammenbekommen, um die Grundstückseigentümerin nicht noch weiter zu verärgern und die Zerstörung der bisherigen Baufortschritte um jeden Preis zu verhindern. Dabei setzen wir auf Ihre Mithilfe, denn ohne Sie können wir das nicht bewältigen. Es ist eine sehr kritische Situation, denn ein Verlust des Baugrundstücks würde für das Waisenhaus früher oder später den Ruin bedeuten. Jeder Euro zählt! Die Mietschulden sitzen dem Waisenhaus weiter im Nacken und eine Besserung der wirtschaftlichen Lage ist kaum in Sicht. Wir brauchen also unbedingt Ihre Unterstützung, um den Neubau für das Waisenhaus Cador zu retten. Helfen Sie mit! Spenden können Sie wie gewohnt auf unser Vereinskonto oder über unsere betterplace-Seite und wir garantieren weiterhin, dass jeder Cent auf schnellstem Wege nach Togo gelangt.

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