Geburtsurkunden als Grundlage für ein gesichertes Leben – Es besteht Handlungsbedarf

Während im Waisenhaus Cador etwas Alltag eingekehrt ist und die finanzielle Situation sich entspannt (mehr Informationen im letzten Beitrag), hat sich eine neue Problematik aufgetan. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit: Sobald wir geboren werden, bekommen wir eine Geburtsurkunde ausgestellt. Darin enthalten sind üblicherweise Geburtsdatum und -ort sowie die Namen der Eltern. Was ist aber, wenn ein Kind nicht das Datum seiner Geburt, den kompletten Namen seiner Eltern, ja nicht einmal sein Geburtsjahr kennt? Eine alltägliche Problematik in Togo, denn gerade Kindern, die aus armen Verhältnissen stammen, fehlt die so wichtige Geburtsurkunde häufig.

Fehlende Geburtsurkunden – eine altbekannte Problematik aktueller denn je

Im Rahmen ihres Aufenthalts in Lomé im Sommer, währenddessen sie die aktuellen Entwicklungen im Waisenhaus Cador verfolgen wird, möchte Lea Engel möglichst viel in Togo erreichen. Durch eine gute Bekannte, die 19-jährige Münchenerin Sophie Greiner, die gerade von ihrer zweiten humanitären Togo-Reise zurückgekommen ist, wurde sie auf das Problem der fehlenden Geburtsurkunden bei Waisenkindern aufmerksam gemacht. Gemeinsam möchten sie dieses Problem nun angehen. Auch wenn es nur wie eine Formalität erscheint, sind die Folgen einer fehlenden Geburtsurkunde weitreichend. Das Fehlen trägt zum einen zu der ohnehin eingegrenzten Reisefreiheit der betroffenen Personen bei: Die Beantragung eines Reisepasses oder Personalausweises ist ohne dieses Dokument nicht möglich. Zum anderen schränkt es auch bei der Bildung und Berufswahl stark ein: Ohne Personalausweis kann kein Beruf im Angestelltenverhältnis angenommen werden. Und auch in der Schule ist eine Geburtsurkunde notwendig: Um zur vorhergehenden Prüfung für den Besuch einer weiterführenden Schule zugelassen zu werden, muss das Dokument vorliegen. Außerdem ist es auch nicht möglich ohne Geburtsurkunde seine Abiturprüfung abzulegen.
Ein weiteres großes Problem ist die Sicherheit der Kinder: Gerade in Lomé ist der Kinderhandel leider weit verbreitet. Laut einer Plan-Studie von 2005 sind in Togo 12% aller Kinder vom Kinderhandel direkt betroffen; werden in entfernte Städte oder Nachbarländer verkauft und das „zum Preis eines Fahrrades“. Die Dunkelziffer ist vermutlich weit höher. Ohne Geburtsurkunde existieren die Kinder faktisch nicht. Bei ihrem Verschwinden wird sich die Polizei daher weigern, nach ihnen zu suchen. Im Klartext heißt das: Ohne Geburtsurkunde ist nach der Grundschule Schluss für die Kinder und sie haben keinerlei Sicherheit im Leben. Doch wie ist das mit dem Ziel der Waisenhäuser, den Kindern neue Perspektiven aufzubieten, vereinbar? Gar nicht, finden wir. Deshalb müssen wir diesen Zustand dringend ändern! Dabei werden wir uns dieses Mal nicht auf das Waisenhaus Cador beschränken, denn dort hat die Leiterin des Waisenhauses früher bereits Geburtsurkunden ausstellen lassen. Lediglich Israel und Caleb benötigen das Dokument noch und werden es auch im Sommer bekommen: Ihre Paten haben sich schon bereit erklärt, die Kosten dafür zu übernehmen. Ganz herzlichen Dank dafür! Im Fokus unserer Bemühungen wird dieses Mal das Waisenhaus Djidjiopé stehen – ein kleines Waisenhaus nur einen Katzensprung vom Waisenhaus Cador entfernt, in dem Sophie bereits 5 Monate gearbeitet hat und auch Lea schon häufiger zu Gast war.

Sophie mit einigen Kindern des Waisenhauses Djidjiopé

Handlungsbedarf im Waisenhaus Djidjiopé

Die 12 Kinder im Waisenhaus Djidjiopé haben viel mit den Waisenkindern von Cador gemeinsam: Die allermeisten von ihnen haben bereits schwere Schicksalsschläge in ihrer frühesten Kindheit hinnehmen müssen. Viele von ihnen haben gar Fälle schweren Missbrauchs ertragen müssen. Sie alle haben durch die Aufnahme im Waisenhaus ein neues Leben begonnen und besuchen nun sogar eine Privatschule. Letztes Jahr starb jedoch nach schwerer Krankheit die Leiterin des Waisenhauses und somit die engste Bezugsperson der Kinder. Seitdem sieht sich das Waisenhaus mehr als je zuvor mit finanziellen und organisatorischen Problemen konfrontiert. Als Sophie im Rahmen ihres letzten Aufenthalts die offiziellen Dokumente im Büro des Waisenhauses kontrollierte, fiel ihr auf, dass sehr viele Geburtsurkunden fehlen. Nach intensiver Recherchearbeit und Besprechung mit dem neuen Leiter des Waisenhauses steht nun fest: 8 der 12 Waisenkinder besitzen keine Geburtsurkunde. Die beiden Ältesten, Zoé und Emilie, sollen jedoch bereits nächstes Jahr eine weiterführende Schule besuchen. Es besteht dringend Handlungsbedarf! Wir vom Cador-Hilfe e.V. möchten in Zusammenarbeit mit Sophie Greiner und dem neuen Waisenhaus-Leiter diesen Zustand ändern. Gemeinsames Ziel ist es, bereits im Sommer im Rahmen von Lea Engels Aufenthalt in Lomé die Geburtsurkunden ausstellen zu lassen.

Organisatorischer und finanzieller Aufwand – nur gemeinsam zu bewältigen

Seit Gründung des Cador-Hilfe e.V. setzen wir uns zur Unterstützung benachteiligter Waisenkinder in Togo ein. Im Rahmen unserer Möglichkeiten möchten wir das auch weiterhin so effektiv wie nur möglich tun – auch wenn es einmal nicht um das Waisenhaus Cador geht. Bisher scheiterte die Ausstellung der Geburtsurkunden im Waisenhaus Djidjiopé nicht nur an den fehlenden finanziellen Mittel, sondern auch am organisatorischen Aufwand. Grundlegendes Problem: Die Kinder kommen alle aus unterschiedlichen Dörfern im Umkreis von ca. 50 km von Lomé. Geburtsurkunden müssen in Togo generell in der Behörde ausgestellt werden, in dessen Zuständigkeitsbereich das Kind geboren ist. Außerdem muss vorher nachgeprüft werden, ob eventuell sogar schon einmal eine Geburtsurkunde existiert hat, die dann verloren gegangen ist (dies ist keine Seltenheit in den Dörfern Togos!) und die genauen Daten des Kindes müssen – soweit möglich – recherchiert werden. Der Aufwand ist also sehr groß, deshalb braucht der neue Waisenhaus-Leiter, der zur Ernährung seiner eigenen Familie und der Waisenkinder einen Vollzeitjob ausübt, tatkräftige Unterstützung. Genau diese Unterstützung soll ihm im Sommer durch Lea Engel geboten werden. Hinzu kommen die benötigten finanziellen Mittel, die für das Waisenhaus Djidjiopé ebenfalls ein Problem darstellen. Zusätzlich zu den Gebühren der Geburtsurkunde fallen außerdem Transportkosten zu den verschiedenen Verwaltungsdistrikten und Dörfern der Kinder an. Hinzu kommen Schmiergelder (üblicherweise noch einmal 50% der Gebühren) für die zuständigen Richter, die natürlich auch von uns sehr ungern gesehen werden, aber leider unumgänglich im Verwaltungssystem Togos sind, um ans Ziel zu kommen. Nach ausgiebiger Recherche und Besprechung mit Leitern beider Waisenhäuser steht nun fest: Eine Summe von 38 € (ca. 25.000 FCFA) ist ausreichend, um einem Kind eine Geburtsurkunde in der Verwaltungsbehörde seines Heimatdorfes ausstellen zu lassen.

Die Kinder des Waisenhauses Djidjiopé nach der Schule

38 € für eine Geburtsurkunde – um weiter zur Schule gehen zu dürfen

Bis August sammeln wir nun also Spenden, um den 8 betroffenen Waisenkindern eine Geburtsurkunde ausstellen lassen zu können. Das können wir nur mit Ihrer aktiven Hilfe schaffen! Mit einer einmaligen Spende von 38€ können Sie einem Kind die Grundlage für ein gesichertes Leben in Form dieses so wichtigen Dokuments bieten. Gerade Zoé und Emilie brauchen diese Grundlage dringend, um nächstes Jahr eine weiterführende Schule besuchen zu können! Wenn sie uns bei diesem wichtigen Anliegen helfen möchten, können Sie auf unser Vereinskonto (Spendenkonto IBAN: DE 83 2595 0130 0034 5877 48 – BIC: NOLADE21HIK) mit dem Betreff: „Geburtsurkunde“ spenden. Für Ihre Unterstützung erhalten Sie natürlich wie gewohnt eine Spendenquittung. Wir vom Cador-Hilfe e.V. hoffen sehr, dass wir schon bald gemeinsam den Kindern diese Sorge nehmen können. Wir möchten uns schon einmal im Voraus ganz herzlich bei allen Unterstützern bedanken! Es mag wie eine Kleinigkeit erscheinen, doch für die Waisenkinder ist die Geburtsurkunde in vielen Situationen wirklich entscheidend – denn sie möchten weiter zur Schule gehen!

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