Ein Bericht aus Lomé: Fortschritte beim Bauprojekt – wie wir Schritt für Schritt einem neuen Waisenhaus näher kommen

Innerhalb der letzten Woche hatte ich die Möglichkeit, das Baugrundstück zu besichtigen und mich somit vor Ort von den Fortschritten auf der Baustelle zu überzeugen. Bereits auf dem Weg zur Baustelle (natürlich auf einem der hier in Togo so zahlreichen Motorrädern) erwartete mich die erste positive Überraschung: Innerhalb des letzten Jahres, das ich in Deutschland verbracht habe, hat sich die Region um das Baugrundstück enorm weiterentwickelt. Waren wir letztes Jahr noch die einzige aktive Baustelle in der sehr ländlichen Gegend nahe des recht armen Dorfes Akato, haben wir nun bereits die ersten Nachbarn, die in Steinhäusern direkt neben uns wohnen. Die Versorgung mit Elektrizität ist zwar noch nicht in dem Dorf angekommen, allerdings im Vergleich zum letzten Jahr stark vorangeschritten und es ist nur eine Frage der Zeit bis sie auch Akato erreicht. Die ländliche Gegend, die zum Stadtteil Segbé im äußersten Randgebiet Lomés gehört und nur einen Katzensprung von der Grenze zu Ghana entfernt ist, macht bereits jetzt eine rasante Entwicklung mit und innerhalb der nächsten Jahre ist eine weitere Verstadtlichung der Region zu erwarten. Dies ist für mich ein sehr positiver Trend und ich bin schon gespannt darauf, nächstes Jahr die Region zu besuchen.

Bei der Besichtigung der Baustelle

Schwere Arbeit – die Bauarbeiten sind in vollem Gange

Angekommen auf der Baustelle, begrüßten mich die vielen Arbeiter und wie gewohnt einige neugierige Kinder aus dem benachbarten Dorf. Es war ein geschäftiges Treiben: Einige Frauen aus dem Dorf waren damit beschäftigt, in großen Mengen Baustoffe wie Sand und Kiesel auf die Baustelle zu transportieren – wie hier üblich in einer großen Schüssel auf dem Kopf. Einige Arbeiter arbeiteten am Brunnen für das Waisenhaus, einer war gar in dem etwa fünf Meter tiefen Bohrloch verschwunden, um dort seine Arbeit zu erledigen und anschließend nur mit Hilfe eines Seils wieder heraufzuklettern. Andere Arbeiter hoben riesige Sickergruben aus, die als Ersatz für die fehlende Kanalisation (eine Kanalisation ist im Übrigen auch in den meisten Vierteln Lomés nicht vorhanden) dienen werden. Auch Gabriel – eins der älteren Waisenkinder vom „Orphelinat Cador“ – arbeitete auf der Baustelle mit, hämmerte Löcher in die bereits fertigen Wände des Erdgeschosses, um Vorkehrungen für die Wasserleitungen im Haus zu treffen. Im Rahmen seiner Ausbildung zum Elektrizitäts- und Sanitärtechniker bekommt er auch auf unserer Baustelle die Möglichkeit, Praxiserfahrungen zu sammeln, denn sein Unternehmen wurde für jegliche Sanitärarbeiten des Bauprojekts angeheuert. „Der ganz normale Wahnsinn“ auf einer afrikanischen Baustelle: Knochenarbeit von Anfang bis Ende. Fast alles wird von Hand erledigt, der Grund dafür ist schlichtweg die mangelnde technische Entwicklung des kleinen afrikanischen Landes Togo. Selbst simple Maschinen wie Bagger sind nur sehr selten vorhanden und dies führt dazu, dass es für die meisten Unternehmen schlichtweg nicht rentabel ist, solche Maschinen anzuschaffen oder für Projekte zu mieten. Hinzu kommt das extrem niedrige Lohnniveau des Landes. Eine Maschinenstunde würde bereits die Lohnkosten für etliche Arbeiter decken. Baumaschinen werden also nur für Großprojekte bemüht, ansonsten benutzen die Afrikaner ihre beachtliche Körperkraft und einige simple Hilfsmittel für die anstehenden Arbeiten. Doch auch dabei verlieren sie nie ihren Charme und ihre Lebensfreude: Jeder Besucher wird freundlich begrüßt und auf der Baustelle wird neben der Arbeit auch viel gescherzt und gelacht.

Geschäftiges Treiben auf dem Baugrundstück

Auch Gabriel arbeitet auf der Baustelle mit

Das Bohrloch für den Brunnen des Waisenhauses

Ein Arbeiter beim Ausheben einer der Sickergruben

Handarbeit – Einige der Arbeiter auf der Baustelle

Arbeiten am Erdgeschoss des Gebäudes – Ein solider Bau ist das Ziel

Der Fortschritt beim Bau des Erdgeschosses des Waisenhauses, in den wir – wie Sie wissen – viel Zeit und auch finanzielle Mittel investiert haben, ist deutlich erkennbar. Es stehen nun bereits zwei große Zimmer, die als Schlafzimmer für die Kinder dienen werden, je zwei Toiletten und Duschen sowie ein kleiner Vorratsraum und eine Küche. Die letzten Wochen und Monate wurden vor allem darein investiert, das Fundament und die Wände des Erdgeschosses insoweit zu verstärken, dass der Bau einer zweiten Etage möglich ist. Da unser größtes Ziel ist, den Waisenkindern genügend Platz in ihrem neuen Zuhause zu bieten, haben wir uns entgegen unserer anfänglichen Planungen für ein mehrstöckiges Haus entschieden. Geplant ist es, einen großen Hof für die Kinder zu lassen, ihnen aber auch gleichzeitig im Inneren des Gebäudes genügend Raum zu bieten, um sich zurückzuziehen und etwas Zeit für sich zu haben. Dies ist genau das, was wir in der derzeitigen Unterkunft so schmerzlich vermissen: Ein ruhiger Ort, an dem die Kinder sich ausruhen oder ihre Hausaufgaben erledigen können. Diese Planung ist langfristig, zunächst hat die Fertigstellung des Erdgeschosses, der Ummauerung des Grundstücks und des Hofes oberste Priorität. Auch ohne zweite Etage kann das neue Gebäude bereits bezugsfertig gemacht werden. Allerdings müssen wir diese Zukunftsplanungen natürlich bereits in der Bauweise des Erdgeschosses berücksichtigen. Wir sind dabei ganz bewusst von der hier in Togo üblichen Bauweise „quick and dirty“ abgewichen. Häufig wird hier in Togo das Hauptaugenmerk darauf gelegt, so schnell und billig wie möglich zu bauen. Darunter leidet allerdings häufig die Qualität und somit im Endeffekt die Sicherheit der Bauten. Wir möchten bei unserem Waisenhaus etwas schaffen, was Bestand für die Zukunft hat. Daher haben wir zum Beispiel den Zementanteil in den Backsteinen erhöht sowie die Bewehrung mit ausreichend Eisenmaterialien verstärken lassen. Die Verstärkung des Erdgeschosses ist nun so gut wie abgeschlossen und als nächster Schritt sollen nun die Decken der Räume errichtet werden. Die benötigten Backsteine sind bereits gegossen und liegen auf der Baustelle bereit. Zudem werden die Sickergruben zementiert und fertiggestellt. Der nächste Schritt ist danach zunächst die Ummauerung des Grundstücks, anschließend geht es an die Ausgestaltung der einzelnen Räume im Erdgeschoss.

Blick über das Baugrundstück

Gemeinsam mit der Leiterin des Waisenhauses auf der Baustelle

Das gemeinsame Ziel vor Augen

Ich werde vor meiner Abreise sicherlich noch einmal die Gelegenheit haben, das Baugrundstück zu besichtigen. Über den neuesten Stand der Arbeiten und der Budgetplanungen halte ich Sie natürlich auf dem Laufenden. Es folgen bald detailliertere Informationen. Ich möchte mich in diesem Rahmen noch einmal bei allen bedanken, die es möglich gemacht haben, dass wir bereits so weit gekommen sind mit dem Bauprojekt! Ich hoffe von ganzem Herzen, dass wir auch weiterhin ganz viel Unterstützung bekommen, damit wir unseren Traum, unsere Vision für die Kinder des Waisenhaus Cador wahr machen können, denn das ist und bleibt unser großes, gemeinsames Ziel! Weiterhin können Sie das Bauprojekt durch Spenden auf unser Vereinskonto oder ganz einfach über unser betterplace-Projekt unterstützen.

Viele Grüße aus dem weiterhin recht kühlen und verregneten Lomé

Lea Engel

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