Neuigkeiten aus dem Waisenhaus: Glorias Gesundheitszustand, aktuelle Entwicklungen des Bauprojekts und personelle Konsequenzen nach dem Unfall

Nach einiger Zeit ohne Neuigkeiten hier auf der Website ist es mal wieder Zeit, Ihnen ein allgemeines Update über unsere Arbeit hier in Lomé und die Situation im Waisenhaus zu geben. Die letzten Wochen waren von viel Stress für alle Verantwortlichen hier vor Ort geprägt. Durch Glorias Unfall lagen die Projekte im Waisenhaus für einige Wochen auf Eis, da schlichtweg die Zeit fehlte, um sich um anderes zu kümmern. Jetzt wo Gloria sich langsam auf dem Wege der Besserung befindet, geht die Arbeit aber umso intensiver weiter. Bereits in einer Woche werde ich Lomé verlassen müssen und bis dahin ist noch sehr, sehr viel zu tun.

Gloria auf dem Wege der Besserung aber Schulbesuch gefährdet

Fast drei Wochen nach ihrem Unfall ist Gloria inzwischen schmerzfrei. Alle zwei Tage bringe ich sie zum Verbandswechsel ins Krankenhaus. Sie nimmt weiterhin Antibiotika und andere Medikamente, um das Infektionsrisiko zu minimieren, kommt aber nun komplett ohne Schmerzmittel aus. Sie ist weiterhin kaum mobil und die riesige Wunde ist natürlich noch lange nicht verheilt, aber insgesamt ist die Entwicklung sehr positiv: Die Hauttransplantationen wurden allem Anschein nach gut angenommen und die Wunde wird langsam aber stetig besser. Nach intensiven Gesprächen mit den Ärzten in der Klinik wurden uns zudem etwa 300 € der hohen Rechnung erlassen, sodass wir bis jetzt Ausgaben von gut 2.000 € für Glorias Behandlung getätigt haben. Es kommen allerdings noch sehr hohe Kosten auf uns zu: Die Reha-Maßnahmen etwa können erst beginnen, wenn die Wunde verheilt ist. Außerdem steht Gloria noch eine Folge-OP bevor: Ihr zweiter, gesunder Fuß muss an den verletzten Fuß angepasst werden, um zu vermeiden, dass sie später eine sehr große Differenz in der Länge ihrer beiden Beine haben und somit stark humpeln wird. Genauere Schätzungen für die benötigten finanziellen Mittel dafür werden wir wohl erst bei dem ersten Kontrolltermin beim zuständigen Arzt in mehreren Wochen also nach meiner Abfahrt erhalten. Wir rechnen allerdings mit Kosten im vierstelligen Bereich für Glorias weitere Behandlung (1.500 – 2.500 €). Ein weiteres Problem nach dem Unfall ist Glorias Schulbesuch für das nächste Schuljahr: Der Schulbeginn wurde von der Regierung dieses Jahr bis auf weiteres (der Schulbeginn wird auch gerne mal kurzfristig verschoben) auf den 29. September gelegt. Allein der Schulweg ist für Gloria unmöglich zu Fuß zu bewältigen. Im togolesischen Schulsystem haben die Kinder zudem mittags eine lange Pause, währenddessen sie nach Hause gehen zum Essen und Ausruhen. Wir müssen somit ein Transportmittel für Gloria finden, das sie täglich morgens, mittags, nachmittags und abends zur Schule fährt bzw. wieder abholt. Zudem beginnt sie dieses Jahr das Collège – in Deutschland die 7. Klasse – und ihr Klassenraum befindet sich daher im zweiten Stock. Dies stellt natürlich auch ein Problem dar. Eventuell müssen wir für sie daher sogar einen Privatlehrer einstellen, der sie zu Hause unterrichtet, allerdings würde uns dies wieder vor enorme Kosten stellen. Wir prüfen derzeit die beste Möglichkeit, um diese Problematik zu lösen. Fest steht: Die Verletzung Glorias ist noch lange nicht ausgestanden und wir benötigen weiterhin dringend finanzielle Unterstützung, um ihr den Weg zurück in ein normales Leben ermöglichen zu können.

Noch ein langer Weg zu gehen – Gloria befindet sich auf dem Wege der Besserung

Langsame Fortschritte beim Bauprojekt – wir benötigen weiterhin Ihre Hilfe

Auch das Bauprojekt geht langsam weiter voran. Derzeit werden die Sickergruben zementiert und fertig gestellt. Wir haben außerdem endlich neue Kostenvoranschläge für die Fertigstellung des Erdgeschosses erhalten. Die genauen Zahlen werden wir bald veröffentlichen. Es gibt zudem sehr erfreuliche Neuigkeiten: Unmittelbar angrenzend an unser Baugrundstück wird derzeit eine private Grundschule errichtet. Die Bauarbeiten sind bereits recht weit vorangeschritten. Sobald die Kinder des Waisenhaus Cador also in ihr neues Zuhause umziehen, werden sie direkt nebenan zur Schule gehen und somit den langen Schulweg zu Fuß ins Nachbardorf vermeiden können. Die älteren Kinder, die bereits eine weiterführende Schule besuchen, können mit dem Fahrrad in ca. 15 Minuten eine nahe Privatschule erreichen. Nach Fertigstellung der Sickergruben sind wir leider gezwungen, zunächst eine Baupause einzulegen, da die finanziellen Mittel für das Bauprojekt derzeit aufgebraucht sind. Ich hoffe also sehr auf Ihre weitere Unterstützung bei diesem Projekt, das mir so sehr am Herzen liegt, denn es lässt sich bereits jetzt erkennen, dass wir dabei sind, etwas Großes auf die Beine zu stellen!

Zementierung der Sickergruben

Eine Privatschule angrenzend an die Baustelle des Waisenhaus Cador

Personelle Konsequenzen aus Glorias Unfall – auf der Suche nach einer neuen Tata

Im Waisenhaus hat es zudem eine große Veränderung gegeben: Tata Vivianne hat uns am vergangenen Freitag verlassen. Die Gründe dafür sind vielseitig: Bereits seit mehreren Monaten war die Qualität ihrer Arbeit nicht mehr zufriedenstellend. Die ermüdende Arbeit hatte ihren Einfluss auf ihre Arbeitsmoral genommen und alle unternommenen Schritte wie ausführliche Gespräche mit der Leiterin des Waisenhauses und eine Gehaltserhöhung Mitte des Jahres änderten nichts an der verfahrenen Situation. Zudem hatte Tata Vivianne sich Anfang des Jahres verlobt und hatte danach selber die Entscheidung getroffen das Waisenhaus unmittelbar nach der Hochzeit, die für Ende des Jahres geplant war, zu verlassen. All dies führte dazu, dass Tata Vivianne mit ihrem Kopf nicht mehr bei ihrer Arbeit war, sie war häufig krank und wälzte viel Arbeit auf die älteren Kinder ab, selbst während der Schulzeit. Nach Glorias Unfall kam es schließlich endgültig zum Bruch: Trotz der klaren Anweisung, ein Taxi zur Jugendkonferenz zu nehmen, wählte Tata Vivianne Moto-Taxis als Transportmittel und setzte zudem Gloria und Wisdom zu zweit auf ein Moto-Taxi. Sie selbst nahm ein anderes Moto-Taxi und fuhr mit diesem vor. Sie war nicht einmal selbst anwesend als der Unfall passierte. Sie hat an diesem Tag klar ihre Aufsichtspflicht verletzt und der schlimme Unfall fällt zumindest zu einem Teil in ihre Verantwortung. Trotz alledem wies Tata Vivianne nach dem Unfall jegliche Verantwortung von sich und ihre Arbeitsmoral befand sich fortan endgültig auf dem Tiefpunkt. Die Leiterin des Waisenhauses und ich trafen also die Entscheidung, sie früher als geplant zu Mitte dieses Monats zu entlassen. Der Plan war, ihre Hochzeit vorzuziehen und somit kurz vor meiner Abfahrt ein gemeinsames Abschiedsfest mit der Hochzeit zu feiern. Ihr Verlobter war mit der Lösung einverstanden, als sie jedoch davon erfuhr entschied sie sich dafür, ihre Sachen zu packen und das Waisenhaus sofort zu verlassen. Nach ausführlichen Gesprächen mit der Leiterin des Waisenhauses und ihr haben wir uns schließlich in beidseitigem Einverständnis ohne Streit getrennt und sie hat am vergangenen Freitag das Waisenhaus endgültig verlassen. Wir suchen daher derzeit fieberhaft nach einer neuen Tata für das Waisenhaus. Es gab bereits mehrere Vorstellungsgespräche, wir haben bisher aber noch niemanden passendes gefunden. In der Zwischenzeit kümmern sich die älteren Kinder des Waisenhauses Beatrice, Naomie, Michel und Wisdom um den Haushalt, kochen, waschen und putzen für alle Waisenkinder. Spätestens zum Schulbeginn Ende des Monats müssen wir allerdings definitiv jemanden neues gefunden haben.

Tata Vivianne hat das Waisenhaus Cador verlassen

Sommerferien im Waisenhaus Cador – Bildung und Erholung

Während der letzten Wochen haben sich – wie Sie sehen – die Ereignisse im Waisenhaus Cador regelrecht überschlagen. Dennoch ist die Stimmung im Waisenhaus generell positiv und die Kinder können trotz allem ihre Ferien genießen. Auch Gloria ist sehr fröhlich und nimmt auch schon wieder am Ferienkurs teil. Im Rahmen ihres Sommerkurses haben die Kinder bereits eine kleine Klausur geschrieben und die Ergebnisse sind bis auf wenige Ausnahmen sehr erfreulich: Esther und Wisdom waren jeweils Klassenbeste und haben sich somit als Belohnung einen Restaurantbesuch verdient. Aber auch andere Kinder wie zum Beispiel Michel und Ivance haben sich im Vergleich zum letzten Schuljahr stark verbessert.

Esther mit ihrem Belohnungs-Eis für ihre gute Mitarbeit im Ferienkurs

Kurz vor meiner Abfahrt sind alle Kinder fleißig dabei, für ihre Paten Briefe zu schreiben und Geschenke zu basteln. Wie so häufig zeigen die Kinder eine ihrer bewundernswerten Eigenschaften: Egal was passiert, sie lassen sich nicht unterkriegen und verlieren nie ihre Freude am Leben. Ich finde, daran sollten auch wir uns häufiger ein Beispiel nehmen. Ich halte Sie weiterhin auf dem Laufenden über die Arbeit in meiner letzten Woche hier vor Ort.

Viele Grüße aus dem derzeit tropisch warmen Lomé

Lea Engel

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