10 Tage länger vor Ort – Viel Arbeit bereits getan und es ist noch viel zu tun

Entgegen meiner eigentlichen Planungen habe ich meinen Aufenthalt hier in Lomé aufgrund eines angekündigten Pilotenstreiks um einige Tage verlängert und werde nun doch erst am 26. September das Land verlassen. Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor mir, aber im Laufe der letzten Woche haben wir auch schon einiges geschafft.

Neues Personal für das Waisenhaus gefunden

Wichtigste Neuerung im Waisenhaus: Wir haben zwei neue Angestellte, die sich zunächst einmal in der Probezeit befinden. Eine „Tata“ zum Kochen, Waschen und Putzen sowie einen „Tonton“, der sich um die Bildung und Erziehung der Kinder kümmern soll. Ich freue mich sehr, dass ich zumindest die ersten Wochen ihrer Arbeit noch miterleben und sie somit noch etwas kennenlernen kann. Ich werde bald genaueres über die Personalsituation berichten.

Der neue „Tonton“ Gbati mit Daniel

Endlich fließend Wasser im Waisenhaus

Und es gibt noch weitere gute Neuigkeit: Es gibt endlich fließend Wasser im Waisenhaus Cador! Das ist eine riesige Verbesserung der Lebensqualität der Kinder, denn das Wasser auf dem Kopf nach Hause zu transportieren ist besonders während der Schulzeit eine große Belastung für die älteren Kinder. Dabei haben wir sogar eine bessere Lösung als zunächst geplant gefunden: Der Plan war, den Anschluss an das städtische Wassernetz zu erwirken. Dies ist aber hier in Togo häufig mit sehr langen Wartezeiten und wenn man diese umgehen möchte mit hohen Schmiergeldern verbunden. Zudem ist der Wasserpreis im Vergleich zu den privaten Grundwasserpumpen, bei denen bisher das Wasser gekauft wurde, erheblich höher. Dies hätte also neben einer langen Wartezeit auch zu monatlich nicht unerheblich höheren Ausgaben geführt. Wir haben nun nach einem sehr guten Gespräch mit den Nachbarn, die uns bisher das Wasser verkauft haben, eine bessere Lösung gefunden: Es wurde eine Leitung von ihrer Grundwasserpumpe bis hin in das Waisenhaus gelegt und ein Wasserzähler installiert. Monatlich werden fortan anteilig Kosten an der für die Pumpe benötigten Elektrizität gezahlt. Nach dem ersten Monat werden wir sehen, in welcher Größenordnung wir uns dort bewegen; es wird aber in jedem Fall im Vergleich zum städtischen Wassernetz weniger sein.

Endlich fließend Wasser – zum Wassersparen wird der Wasserhahn nach jeder Benutzung gesichert

Neue Kleidung für die Kinder – Komplimente für das Waisenhaus

Außerdem sind die neuen Hausuniformen für die Kinder endlich fertig. Jedes Kind besitzt nun 4 Outfits, die sie im Alltag tragen. So können sie so ausgelassen, wie sie nur möchten, spielen, ohne dass die Wäsche zu anstrengend für die „Tata“ wird. Zudem haben wir mit Hilfe einer großzügigen Spende eines Paten neue Kleidung für die Kirche oder zum Ausgehen für jedes Kind schneidern lassen, sowie zwei paar neue Schuhe für alle Kinder gekauft. Auch dieses Jahr wieder haben wir von vielen Besuchern des Waisenhauses die Rückmeldung bekommen, dass unsere Kinder anders als in vielen anderen togolesischen Waisenhäusern wohlgenährt und immer gut angezogen sind. Dies ist für mich jedes Mal eine große Ermutigung, unsere gute Arbeit aufrecht zu erhalten. Auch die Ärzte im Krankenhaus, in dem Gloria behandelt wurde, sagten uns später, dass sie ohne die vorhergegangene nährstoffreiche Ernährung wohl nicht stark genug gewesen wäre, um den Tag des Unfalls zu überleben. Für mich war dieser Tag generell ein Schlüsselmoment, nach dem mir ein weiteres Mal klar geworden ist, wie wichtig unsere Arbeit für die Kinder des Waisenhauses ist und wieviel wir schon in ihrem Leben erreicht haben. Dafür möchte ich mich auch in diesem Rahmen noch einmal herzlich bei allen Spendern und Unterstützern bedanken! Ich kann es nicht oft genug sagen: Vielen Dank, dass Sie es uns möglich machen, das Leben dieser 17 Kinder Stück für Stück weiter zu verbessern. Es ist für mich absolut überwältigend, was wir in nur knapp zwei Jahren Vereinsarbeit bereits erreicht haben. Wenn ich an die Situation vor zwei Jahren im Waisenhaus zurückdenke, erkenne ich bis auf die Kinder wirklich kaum noch etwas wieder und das ist ein riesen Erfolg, denn es fehlte wirklich an allen Ecken und Enden. Es ist noch ein weiter Weg zu gehen, um alle Probleme zu lösen und alle Defizite aufzuholen, aber wir sind auf dem besten Wege dahin und darüber bin ich sehr glücklich.

Wisdom und Esther mit einem Modell der Uniformen

Samuel in seinem neuen Outfit – in Deutschlandfarben

Matratzen zur Verbesserung der Lebensqualität

Neben der neuen Kleidung haben wir mit Hilfe einer Spende des Lions Club Lehrte auch neue Matratzen für alle Kinder finanziert. Die alten (Schaumstoff-)Matratzen waren zum einen qualitativ minderwertig und zum anderen bereits alt und zerschlissen. Nach einem langen, anstrengenden Tag am großen Hafen Lomés haben wir Federkernmatratzen, die aus Europa importiert wurden, erstanden und nach langen Preis-Diskussionen auch schließlich durch den Zoll gebracht. Um die Hygiene im Waisenhaus weiter zu verbessern, haben wir einen Bezug aus einem pflegeleichten, gut abwaschbaren Stoff fertigen lassen, der sich unter dem Bettlaken befinden wird. Durch Maßnahmen wie diese versuchen wir Schritt für Schritt die Lebensqualität und Hygiene im Waisenhaus Cador zu verbessern. Der nächste geplante Schritt ist eine kleine Renovierung der Toiletten und Duschen des Waisenhauses, die bisher noch recht simpel und nur schwer zu reinigen sind.

Daniel mit den neuen Matratzen für die Kinder bevor sie verteilt wurden

Glorias Gesundheitszustand – der erste Kontrolltermin

Glorias Unfall ist nun bereits einen Monat her und es stand am Freitag der erste Kontrolltermin beim zuständigen Facharzt an, inklusive einer neuen Röntgenaufnahme. Die Wunde heilt bisher den Umständen entsprechend recht gut und auch ansonsten fiel nichts negativ auf. Inzwischen fahren wir anstatt alle zwei Tage nur noch zwei Mal die Woche zum Verbandswechsel in die Klinik. Auch zu dem Kontrolltermin habe ich Gloria begleitet und dabei versucht, weitere Erkundigungen bezüglich der Kosten für Reha-Maßnahmen, der Folge-OP und aller weiteren Behandlungsmaßnahmen für Gloria in den nächsten Monaten einzuholen. Wir haben nun Montag einen Termin zu einer ambulanten Wundreinigung in Vollnarkose und der behandelnde Chirurg zeigte sich mir gegenüber sehr verständnisvoll und kooperativ und sicherte mir zu, mich auch nach meiner Abreise auf dem Laufenden zu halten bezüglich aller weiteren Behandlungsmaßnahmen. Ungefähre Vorstellungen bezüglich der Kosten, die noch auf uns zukommen, werden wir vermutlich im Laufe der nächsten Woche erhalten. Ich halte Sie auf jedem Fall auf dem Laufenden.

Bis dahin viele Grüße aus Lomé

Lea Engel

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