Daniel

Daniel Azianklui lebt seit seinem 14. Lebensjahr im Waisenhaus Cador. Er ist geistig behindert und nimmt dadurch eine ganz besondere Rolle im Waisenhaus ein. Obwohl er mehr Aufmerksamkeit und Betreuung als die anderen Kinder benötigt, fügt er sich mit seiner Fröhlichkeit und Begeisterungsfähigkeit gut in die Gruppe ein. Daniel stammt aus dem Viertel Bè, das zu Lomé gehört und etwa 30 Minuten Fahrt vom Waisenhaus entfernt liegt.

Bis heute hatte Daniel eine schwierige Kindheit. Grund dafür ist auch die fehlende Akzeptanz von geistig behinderten Menschen in Togo, da die Bevölkerung in Togo nicht gut über geistige Behinderungen aufgeklärt ist. Zwar werden behinderte Menschen nicht so leicht ausgegrenzt, für die ihnen ungewöhnlich erscheinenden Verhaltensweisen fehlt jedoch den meisten Leuten gleichzeitig das Verständnis.

Daniel wuchs zusammen mit seinem gesunden kleinen Bruder bei seinen Eltern auf. Seine Kindheit war von Gewalt geprägt, da Daniel seinen Eltern nicht gehorchte und diese vollkommen überfordert waren. Besonders problematisch war sein Essverhalten, da er ständig mehr verlangte, obwohl er schon lange satt sein musste. Auf die Zurückweisung seiner Eltern reagierte Daniel mit Flucht. Er flüchtete mehrmals aus seinem Elternhaus und lebte mehrere Monate auf der Straße, wo er sich Essen erbettelte. Nach einiger Zeit kam er jedoch immer nach Hause zurück. Bei seiner Rückkehr war er jedoch durch das verseuchte Wasser und die verdorbene Nahrung, die er zu sich genommen hatte, meist sehr krank. Mit 14 wurde er schließlich von seinen Eltern getrennt und ins Waisenhaus Cador gebracht. Dort besserte sich Daniels Zustand schnell. Er wurde fröhlicher, verbesserte seine Sprache und war weniger aggressiv. Auch sein Gesundheitszustand entwickelte sich positiv.

Heute wirkt Daniel meistens sehr fröhlich. Er liebt es, mit den anderen Kindern zu tanzen und zu spielen. Er malt gerne und ist generell an jeder Form von künstlerischer Arbeit interessiert. Daniel ist und bleibt jedoch ein ‚Sorgenkind‘. Wenn etwas nicht wie gewohnt verläuft, können ihn schon Kleinigkeiten völlig aus der Fassung bringen. Mitte 2012 floh er – das erste Mal – auch aus dem Waisenhaus und verbrachte fast zwei Monate auf der Straße. Als man ihn dort fand, war er verwirrt und in schlechter gesundheitlicher Verfassung. Sein Zustand besserte sich jedoch rasch und er lebte sich erneut ein. Ein weiteres Problem ist, dass Daniel wegen seiner geistigen Behinderung nicht zur Schule gehen kann. Er wird er auf keiner öffentlichen Schule zugelassen und der Besuch einer privaten Sonderschule ist wegen der großen räumlichen Entfernung und der Finanzierung nicht möglich. Auch der Versuch, Daniel einen Ausbildungsbetrieb zu integrieren, ist gescheitert. Momentan wird Daniel im Waisenhaus mit verschiedenen kleineren Arbeiten beschäftigt. Auf die Frage, was er später einmal werden möchte, antwortet Daniel: „Pilot, Taxifahrer oder Soldat. Am liebsten alles gleichzeitig.“ und lacht voller Vorfreude darauf.

Was Daniel braucht, ist eine geeignete Förderung und vor allem ganz viel Verständnis für seine Situation. Mit der richtigen Förderung kann er vielleicht eine Ausbildung finden, die ihm Spaß macht und ihm eine Perspektive für die Zukunft schafft.

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