Gabriel

Gabriel Bokovi ist einer der Ältesten im Waisenhaus Cador. Er lebt dort seit seinem 12. Lebensjahr und macht seit Ende 2012 eine Ausbildung zum Elektro- und Sanitärtechniker. Gabriel stammt, wie viele der anderen Kinder auch, aus dem Dorf Bolou-Klokpoé, das nahe Tsevié und somit etwa zwei Stunden Fahrt von Lomé entfernt liegt.

Gabriel hat acht ältere Geschwister und einen kleinen Bruder, Michel, der auch im ‚Centre Cador‘ lebt. Zwei seiner Geschwister sind verstorben. Gabriel ist Halbwaise. Als sein Vater starb war Gabriel 8 Jahre alt. Seine Mutter war nach dem Tod ihres Mannes mit vielen Problemen konfrontiert. Ihr Leben lang hatte Gabriels Vater Nahrungsmittel vom kleinen Feld der Familie nach Hause gebracht und damit die Großfamilie ernährt. Die ältesten Kinder hatten schon vor dem Tod des Vaters das Elternhaus verlassen und mussten ihre eigenen Familien versorgen. Sechs Kinder wohnten noch zu Hause und halfen der Mutter fortan bei der Bewirtschaftung des Feldes. Das kleine familieneigene Feld warf aber nicht genug Ertrag ab, um alle Familienmitglieder ausreichend mit Essen zu versorgen. Für den Kauf von Kleidung oder wichtigen Lebensmitteln, wie Fisch oder Gemüse, war viel zu wenig Geld da, sodass die Großfamilie nie ausreichend zu essen hatte. Ihr Alltag war ein täglicher Kampf ums Überleben. Auch Gabriel musste mitarbeiten und lernte so schon früh, dass Fleiß und harte Arbeit unabdingbar sind, um in Togo zu überleben. Dann starb auch noch sein ältester Bruder an einer Vergiftung. Gabriels Mutter wünschte sich eine bessere Zukunft für ihre Kinder. 2009 hörte sie das erste Mal von dem Waisenhaus, das von der Tochter eines Bewohners ihres Dorfes geleitet wurde. Bei dem nächsten Besuch der Leiterin des Waisenhauses bat Gabriels Mutter diese um Hilfe. Wenig später wurden Gabriel und Michel, die beiden jüngsten Söhne, ins Waisenhaus aufgenommen. Dort begann der 13-jährige Gabriel zur Schule zu gehen und lernte Lesen und Schreiben. Für ihn war es der Start in ein neues Leben.

Inzwischen hat Gabriel die Schule bereits beendet. Er ist insgesamt nur drei Jahre zur Schule gegangen. Dennoch kann er Lesen, Schreiben und Rechnen, was in Togo zur Erlernung eines Berufes absolut ausreicht. Seit 2012 macht er nun eine Ausbildung zum Elektro- und Sanitärtechniker, die ihm sehr viel Freude bereitet. Er ist sehr verantwortungsbewusst und kümmert sich um alle handwerklichen Arbeiten, die im Waisenhaus anfallen. Z.B. verlegt er Kabel oder repariert die Abwasserleitungen. Obwohl er häufig einen langen und anstrengenden Arbeitstag hat, ist diese Mithilfe für ihn selbstverständlich.

Durch eine von Cador-Hilfe e.V. vermittelte Spende konnte die Gebühr für Gabriels Ausbildungsvertrag im November 2012 nach fast einem Jahr unentlohnter Arbeit bezahlt. Somit wird er in weniger als zwei Jahren eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, mit der er dann selbst

Geld verdienen kann. Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung ist jedoch, dass Gabriel weiterhin pünktlich und regelmäßig zur Arbeit gehen kann und belastungsfähig bleibt. Durch seine freiwillige Mithilfe im Waisenhaus hat Gabriel oft lange Arbeitstage; er bricht morgens um 6 Uhr mit dem Fahrrad zur Arbeit auf und beendet abends manchmal erst gegen 22 Uhr die letzten Arbeiten zu Hause. Doch Gabriel ist sehr fleißig und lässt sich nicht unterkriegen.

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