Israel

Israel Batikrana lebt seit seinem 9. Lebensjahr im Waisenhaus Cador. Er ist ein außergewöhnliches Kind, mit einer in Togo leider viel zu alltäglichen Lebensgeschichte. Israel stammt aus dem Dorf Anié, was nahe Atakpamé und damit in der Plateaux-Region, etwa drei Stunden von Lomé entfernt, liegt.

Israel hat drei Geschwister. Er lebte zusammen mit seinen Eltern in einem verarmten Dorf. Trotz harter Arbeit, verdienten sie kaum genug Geld, um die Familie zu ernähren. Deshalb zog Israel im Alter von 4 Jahren auf Wunsch seiner Eltern zu seiner Tante nach Niger. Er verbrachte dort knapp drei Jahre. In Niger ging Israel nicht zur Schule, sondern versuchte etwas Geld für die Familie seiner Tante mitzuverdienen, indem er Sachen von der Müllhalde sammelte und verkaufte. Israel wurde nach Hause geholt, als seine Mutter einen schweren Verkehrsunfall hatte. An den Folgen des Unfalls starb sie. In der Zwischenzeit verstarb auch sein Vater. Israel war nun Vollwaise. Nach dem Tod seiner Eltern wohnte er abwechselnd bei verschiedenen Familienmitgliedern. Mal wohnte er bei einem Onkel in Kpalimé, mal bei einem anderen Familienmitglied in Atakpamé. Keines seiner Familienmitglieder hatte genügend Geld, um ihn zu versorgen. Mit kleinen Hilfsarbeiten, wie Autos waschen, Schuhe putzen oder schwere Einkäufe auf Märkten transportieren kämpfte Israel sich durch den Alltag. Die meiste Zeit verbrachte er bei seiner Großmutter im Dorf Anié. Diese war aber selber sehr arm und musste sich nebenbei auch um seinen großen Bruder und seine beiden Schwestern kümmern. Während dieser Zeit verstarb seine kleine Schwester aus unbekannten Gründen. Israel war auf sich allein gestellt. Er lebte in bitterer Armut und ging nicht zur Schule. Israels Alltag bestand aus harter Arbeit. Über den Pastor der Region ergab sich schließlich seine Rettung aus der aussichtslosen Situation. Dieser stellte die Verbindung zum Waisenhaus Cador her, wo er und sein bester Freund Caleb, ein etwa gleichaltriger Nachbarsjunge, aufgenommen wurden. Nach nur wenigen Monaten hatten sich die beiden bereits sehr gut an ihr neues Zuhause gewöhnt.

Heute geht Israel begeistert in die 2. Klasse und lernt erfolgreich Lesen und Schreiben. Er ist sehr reif für sein Alter und ein besonders intelligenter Junge. Auch außerhalb der Schule zeigt er Interesse an vielen Themen. Sein besonderes Talent: Er ist schon jetzt ein kleiner Techniker. Israel sammelt alte und defekte Elektrogeräte, wie zum Beispiel Radios oder MP3-Player, von der Straße auf und – wie er es nennt – „arrangiert“ diese, sodass sie dann wieder funktionieren. Diese Reparaturen nimmt er ganz ohne Anleitung vor. Außerdem baut er während der Ferien (in der Schulzeit ist das nicht gestattet, da es eine zu große Ablenkung wäre) leidenschaftlich gerne Autos aus Blechbüchsen und alten Schuhsohlen, die manchmal sogar eine Beleuchtung haben. Auf die Frage hin, was er später einmal werden möchte, antwortet Israel, dass er Soldat bei der Luftwaffe werden möchte, da er sich nicht
entscheiden kann, ob er lieber Pilot oder Soldat werden soll. Er fügt hinzu, dass das aber nur gilt, wenn er dabei keine Menschen töten muss; sonst würde er sich noch etwas anderes überlegen.

Wäre Israel in unserer Welt geboren worden, könnte man wohl davon ausgehen, dass er später einmal eine Ingenieurslaufbahn einschlagen würde. Dies ist jedoch keine realistische Perspektive für ein armes Kind in Togo. Aber nach dem Schulbesuch und einer technischen Ausbildung könnte er anschließend seine Fähigkeiten und sein Talent nutzen, um eine gesicherte Zukunft zu haben.

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