Michel

Michel Bokovi lebt seit seinem 9. Lebensjahr im Waisenhaus Cador. Für die anderen Kinder ist er wie ein großer Bruder, weil er sich sehr verantwortungsvoll um alle kümmert und man sich mit jedem Problem an ihn wenden kann. Man könnte ihn als ‚gute Seele‘ des Hauses bezeichnen. Michel stammt, wie viele der anderen Kinder auch, aus dem Dorf Bolou-Klokpoé, das nahe Tsevié und somit etwa zwei Stunden Fahrt von Lomé entfernt liegt.

Michel ist das jüngste von zehn Kindern. Er hat vier große Brüder und fünf große Schwestern. Einer der Brüder ist Gabriel, der ebenfalls im ‚Centre Cador‘ lebt. Zwei seiner Geschwister sind verstorben, ebenso sein Vater. Zu diesem Zeitpunkt war Michel gerade einmal 6 Jahre alt. Seine Mutter war nach dem Tod ihres Mannes mit vielen Problemen konfrontiert. Ihr Leben lang hatte Michels Vater Nahrungsmittel vom kleinen Feld der Familie nach Hause gebracht und damit die Großfamilie ernährt. Die ältesten Kinder hatten schon vor dem Tod des Vaters das Elternhaus verlassen und mussten ihre eigenen Familien versorgen. Sechs Kinder wohnten noch zu Hause und halfen der Mutter fortan bei der Bewirtschaftung des Feldes. Das kleine familieneigene Feld warf aber nicht genug Ertrag ab, um alle Familienmitglieder ausreichend mit Essen zu versorgen. Für den Kauf von Kleidung oder wichtigen Lebensmitteln, wie Fisch oder Gemüse, war viel zu wenig Geld da, sodass die Großfamilie nie ausreichend zu essen hatte. Ihr Alltag war ein täglicher Kampf ums Überleben. Auch Michel musste mitarbeiten und verstand schon früh, dass Fleiß und harte Arbeit unabdingbar sind, um in Togo zu überleben. Dann starb auch noch der älteste, noch zu Hause lebende Sohn. Michels Mutter wünschte sich eine bessere Zukunft für ihre Kinder. 2009 hörte sie schließlich von der Tochter eines Dorfbewohners, die in Lomé Waisenkinder aufnahm und sich um sie kümmerte. Bei dem nächsten Besuch der Leiterin des Waisenhauses im Dorf bat Michels Mutter diese um Hilfe. Wenig später wurden die zwei jüngsten Söhne, Michel und Gabriel, im Waisenhaus Cador in Lomé aufgenommen. Dort begann Michel, zur Schule zu gehen und startete so in ein neues Leben.

Heute geht Michel zur Schule und ist zu einem sehr verantwortungsvollen Jugendlichen herangewachsen. Er ist einer der Ältesten in seiner Klasse, da er die Schule mit Verspätung begonnen hat. Neben der Schule hilft er viel im Haushalt und generell bei allem, was so anfällt. Er kann dabei richtig anpacken und scheut keine Mühe, um der Direktorin behilflich zu sein. Dadurch hat er fürs Lernen oft nicht viel Zeit. Dennoch kommt er in der Schule gut mit und ist immer einer der Klassenbesten. Wie die anderen Kinder auch, liebt er es, zu tanzen und macht dabei auch eine richtig gute Figur. Michels größte Stärke ist aber sein guter Charakter. Er ist ein sehr aufrichtiger Mensch. Er schlichtet jeden Streit und beschützt seine kleinen ‚Geschwister‘ in der Schule. Auch den Freiwilligen begegnet er äußerst respektvoll. Um Michel zu beschreiben reicht eigentlich ein einziges Wort: er ist liebenswert.

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