Miriam

Miriam Kpodo ist eins der jüngsten Kinder im Waisenhaus Cador. Sie lebt dort seit ihrem 4. Lebensjahr. Miriam ist ein sehr fröhliches Kind, das für sein Alter schon ausgesprochen weit entwickelt ist. Dass sie mit ihrem Verhalten gleichaltrigen Kindern voraus ist, liegt vermutlich an ihrer bisherigen Lebensgeschichte. Wie viele der anderen Kinder auch, stammt Miriam aus einem Dorf genannt Bolou-Klokpoé, was nahe Tsevié und damit etwa zwei Stunden von Lomé entfernt liegt.

Miriams Mutter starb als sie gerade einmal eineinhalb Jahre alt war. Ihre Mutter starb jedoch keines natürlichen Todes, sondern wurde grausam umgebracht: Die Zweitfrau von Miriams Vater tötete ihre Mutter, als diese grade beim Wasserholen war. Sie ertränkte sie im Fluss. Miriam war währenddessen – wie in Togo üblich – mit einem Tuch auf den Rücken ihrer Mutter gebunden und erlebte alles hautnah mit. Obwohl Miriam zu diesem Zeitpunkt noch sehr klein war, berichtet sie heute, dass sie Erinnerungen an ihre Mutter habe. In den Dörfern Togos sind Morde wie dieser nichts Außergewöhnliches, was man auch daran sieht, dass Miriams Vater, weiterhin mit der Frau zusammenlebte. Seine Frau verstieß jedoch Miriam und ihre Geschwister. Diese kamen für eine Weile bei ihrem Onkel unter, der aber selbst zu arm war, um neben seiner eigenen Familie die Kinder seiner verstorbenen Schwester zu ernähren. Die Leiterin des Waisenhauses, die ebenfalls aus dem Dorf Bolou-Klokpoé stammt, nahm sich 2009 in dieser aussichtslosen Situation der Kinder an. Sie holte Miriam und ihre große Halbschwester Beatrice in das Waisenhaus Cador und ermöglichte den beiden damit einen Neustart. So erhielten die beiden Geschwister die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.

In der Schule kommt Miriam gut zurecht, war zeitweise sogar Klassenbeste. Nach der Schule verbringt sie viel Zeit mit ihren Hausaufgaben. Wenn man Miriam sieht, würde man nicht denken, dass sie noch so jung ist. Nur manchmal blitzt Ihr junges Alter durch, wenn sie sich überfordert fühlt. Dann beginnt sie zu weinen, obwohl es meistens nur eine Kleinigkeit ist, die sie nicht versteht. Neben der Schule ist Miriam eine leidenschaftliche Tänzerin. Am Wochenende und in den Ferien üben die Kinder mit viel Begeisterung verschiedene Choreografien zu afrikanischer Gospel-Musik ein. Häufig haben sie Auftritte bei kleinen Festen und fast immer sticht Miriam dabei besonders hervor. Trotz ihrer traurigen Geschichte ist Miriam ein sehr fröhliches Mädchen. Mit ihrer liebenswerten und witzigen Art zaubert sie einem jeden Tag aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht. Auf die Frage, was sie denn später einmal werden möchte, antwortet Miriam ohne zu zögern, dass sie Schneiderin werden möchte – wie ihre große Halbschwester Beatrice.

Google+ 0 Facebook 0 Twitter 0