Timothée

Timothée Bokovi lebt seit seinem 6. Lebensjahr im Waisenhaus Cador. Er ist ein sehr fröhlicher und gleichzeitig sensibler Junge. Er braucht etwas Zeit, um sich zu öffnen, ist dann aber umso anhänglicher. Timothée stammt, wie viele der anderen Kinder auch, aus dem Dorf Bolou-Klokpoé, das nahe Tsevié und somit etwa zwei Stunden Fahrt von Lomé entfernt liegt.

Timothée hat fünf Brüder und eine Schwester. Bis zu seinem 4. Lebensjahr lebte die Familie in einer kleinen Stadt in Ghana, nahe der togolesischen Grenze. Sie lebten in einem Haus, das der Familie seit Generationen gehörte. Nach einigen Jahren zogen sie jedoch aus wirtschaftlichen Gründen zurück in ihr Heimatdorf in Togo. Die Rollen in der Familie waren klar aufgeteilt: Die Mutter kümmerte sich um die Kinder, kochte und ging Wasser holen; der Vater bewirtschaftete das kleine familieneigene Feld und brachte somit die Lebensmittel nach Hause. Ab dem 4. oder 5. Lebensjahr begannen die Kinder, auf dem Feld mitzuhelfen. Die Erträge ihres Feldes reichten jedoch gerade einmal zur Ernährung der Familie. Timothées Kindheit war durch die Gewalttätigkeit seiner Mutter geprägt. Da er ein sehr quirliges Kind war, das viele Streiche spielte, hatte er in besonderem Maße unter ihr zu leiden. Als Timothée 6 Jahre alt war, verstarb sehr unerwartet sein Vater. Nach dem Tod des Vaters konnte die Familie sich kaum mehr selbst ernähren und kämpfte ums Überleben. Schließlich erfuhr die Leiterin des Waisenhauses von der aussichtslosen Situation der Familie und nahm Timothée im Waisenhaus Cador auf. Damit begann für Timothée ein neues Leben.

Heute geht Timothée sehr gerne zur Schule. Er ist ein sehr fleißiger und intelligenter Schüler. In der Freizeit spielt er viel mit den anderen Jungen in seinem Alter und tanzt, wie alle Kinder im ‚Centre Cador‘, für sein Leben gerne. Dabei ist er ständig auf der Suche nach Anerkennung, was vor allem den Freiwilligen, die mehrere Monate mit den Kindern verbringen, auffällt. Auf die Frage, was er später einmal werden möchte, antwortet Timothée, dass er Anwalt werden möchte, weil er glaubt, dass er damit genug Geld verdienen könnte, um für sich und seine Familie später einmal ein eigenes Haus zu kaufen.

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